Die Friedensschule Scuola di Pace di Monte Sole hat das Ziel, Bildung und Erziehung im Bereich des Friedens zu fördern. Für eine gewaltfreie Konfliktbearbeitung, Achtung der Menschenrechte und ein friedliches Zusammenleben verschiedener Völker und Kulturen.
Die Stiftung
Die Stiftung Friedensschule Monte Sole existiert seit dem Jahr 2002 und hat ihren Sitz im Parco Storico di Monte Sole (Historischer Park am Monte Sole). Der Grundstein für die Gründung der Friedenschule wurde bereits im Jahr 1989 durch ein Gesetz der Region Emilia-Romagna gelegt.
Seit ihrer Gründung fördert die Friedensschule verschiedene Initiativen für Friedensarbeit, gewaltlose Konfliktbewältigung unter Beachtung der Menschenrechte und gewaltfreies Zusammenleben der Menschen und Kulturen. Sie setzt sich für eine Gesellschaft ohne Xenophobie, Rassismus und jegliche andere Form von physischer oder psychischer Gewaltausübung gegen den Menschen und seine Umwelt ein.
Die Gedenkstätte heute
Das Gebiet des Monte Sole umfasst ein Hügeldreieck zwischen den Tälern der beiden Apenninflüsse Setta und Reno, das sich etwa 30 Kilometer südlich von Bologna befindet. Heute sind beinahe 60% des Territoriums bewaldet. Den Rest machen Weiden und Wiesen aus, die zum Teil landwirtschaftlich genutzt werden.
Die wenigen noch sichtbaren Ruinen in der Umgebung der Schule lassen nur noch erahnen, wie dieser Ort einmal ausgesehen hat. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war das dortige Wohngebiet ein weitläufiger Verbund von Siedlungen und Höfen. Die Stille und Ruhe dieses Ortes scheinen unberührt, jedoch sind sie das Ergebnis furchtbarer Gewalt. Die wenigen verbliebenen Ruinen sind wertvolle Zeugen großen Unrechts.
Monte Sole spricht zur Gegenwart
Welche pädagogische Rolle spielen Orte der Erinnerung wie Monte Sole heute?
Wie kann man von solchen Orten erzählen, ohne dass die Erzählung in einer Unterhaltungsgesellschaft zur Pornographie des Schmerzes wird?
Wie lässt sich vermeiden, dass solche Orte nicht einfach nur zu Zwischenstopps für Massengedenktourismus werden?
Wie bewahre ich die Erinnerung vor einer „Erinnerungspflicht“?
In der Friedensschule fragen wir uns nach den Ursachen, die das System des Terrors ermöglicht haben, das sich am Monte Sole und während des Zweiten Weltkriegs manifestiert hat, und das wir auf verschiedene Weisen und in verschiedenen Formen auch an anderen Orten der Welt und zu anderen Zeiten finden können.
Ausgehend von einer Reflexion dieser Tatsachen und dem Wissen über die Mechanismen der Gewalt, die sie ermöglicht haben, durch die Erinnerung der Anwesenden und den Ort selbst als stillen Hüter dieser Vergangenheit, werden heute die Aktivitäten der Friedensschule entwickelt:
Bildende und individuell formende Erfahrungen für Schüler*innen und Lehrer*innen aller Schulstufen, Jugend- und Erwachsenengruppen sowie Berufstätige.
Interaktive Workshops, auch mehrtägig mit der Möglichkeit zur Übernachtung. Um über die Frage nachzudenken: Wie war und ist es möglich? Wie kann Monte Sole zur Gegenwart sprechen? Wie kommt man von dem oft rhetorischen „Nie wieder“ zu der unaufhörlichen Frage „Warum noch immer“? Die von uns angebotenen Workshops sind keine „schlüsselfertigen“ Pakete sondern konzentrieren sich auf die Menschen, ihre Ziele und Bedürfnisse.
Internationale Camps mit Übernachtungsmöglichkeit (in Italien und im Ausland). Bildungserfahrungen, um Vergleiche und Dialoge zwischen unterschiedlichen Jugendlichen in Konflikt- oder Postkonfliktsituationen zu ermöglichen und zu fördern und/oder sich die Konstruktion ihres zukünftigen Lebensraumes zu erkämpfen.
Recherche. Die Friedensschule befasst sich mit „Oral History“ zur Erarbeitung von Erinnerungen (poetische und politische Erinnerungen) und ihrem möglichen Einsatz im pädagogischen Bereich sowie mit der Erforschung kooperativer Erziehungsmethoden.
Gastfreundschaft. Friedensschule bedeutet auch, einen demokratischen Raum für Begegnungen zwischen Organisationen, Vereinen und friedensfördernden Menschen zu schaffen: mehrtägige Gastfreundschaft gilt allen Gruppen der Zivilgesellschaft, die ein Stück ihres Weges und ihrer Überlegungen mit uns teilen wollen.
Wenn man nicht will, dass sich die Vergangenheit wiederholt, reicht es nicht sie zu rezitieren
Die Ära der Zeug*innen triumphiert in der Schule und in der Politik: Zeug*innen werden nicht nur aufgefordert ihre Erfahrungen zu teilen, sondern sie werden auch mit der Aufgabe der Moralisierung betraut. Die Beweise zeigen jedoch, dass die Geschichte des Schreckens nicht ausreicht, um sich gegen den Schrecken zu impfen, ihn zu verurteilen hindert ihn nicht daran sich zu wiederholen. Bloch sagte, die Urteilsfreude sei der teuflische Feind der Geschichte, aber sicherlich auch der Feind der Erziehung.
Und aus diesem Grund ist es nicht möglich die Rolle des*der Historikers*Historikerin oder des*der Erziehers*Erzieherin an Zeug*innen zu delegieren. Wenn es für uns verständlich ist, dass die Angst derer, die Gewalt erlitten haben, dazu führt den*die Täter*in zu entmenschlichen, so kann die gleiche Angst unser tröstliches Bedürfnis verraten das Böse abzuwehren.
Es macht keinen Sinn, an einem Ort der Erinnerung zu erziehen, wenn wir die „Manie des Urteils“ nicht überwinden. Bildung kann sich also nicht allein auf den Zeugen verlassen, sondern braucht eine*n Vermittler*in, der*die die „Grauzone“ betreten kann. Eine*n Erzieher*in, der*die die Genealogie der Gewalt, die Multikausalität der Faktoren, die sie ermöglicht haben, zu erforschen weiß.
Wenn man nicht will, dass sich die Vergangenheit wiederholt, reicht es nicht sie zu rezitieren. Nur wenn wir den*die Täter*in in uns erkennen, werden wir in der Lage sein die Erinnerungspflicht, die Banalisierung und Sakralisierung in ein Erinnerungswerk zu verwandeln, das die Gegenwart in Frage stellt und die Mechanismen des Gewaltkontinuums zwischen Kriegsverbrechen und den Verbrechen in Zeiten des Friedens aufspürt, mit der Möglichkeit, diesen Ausnahmezustand zu entlarven, der noch heute den Anderen auf homo sacer reduziert, ein nacktes Leben, in dem die Biopolitik die Macht hat zu entscheiden, wann es nicht mehr lebenswert ist und dem Tod überlassen werden kann, durch den „selbstmörderischen“ Tod in einer Zelle oder dem Tod durch Verdursten und Ertrinken im Kanal von Sizilien.
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