Die Dialogcamps der Scuola di Pace, die in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partner*innen organisiert werden, sind mehrtägige Workshops, welche vorwiegend an Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren gerichtet sind und entweder am Sitz der Stiftung oder im Ausland stattfinden.

Frieden in 4 Stimmen

Dieses Projekt wurde Anfang der 2000er Jahre geboren und basiert auf dem Zusammentreffen von 40 Jugendlichen aus Italien, Deutschland, Israel und Palästina kommen (10 Teilnehmer*innen pro Delegation) am Monte Sole. Die Hauptidee des Camps war und ist es, Jugendliche aus Konfliktzonen zusammenzubringen, in denen die Kontaktmöglichkeit zu Personen die der gegenüberstehenden Partei angehörig sind (wie zum Beispiel Israelis und Palästinenser*innen sowie Serben und Serbinnen und Albaner*innen aus dem Kosovo) zumindest stark eingeschränkt ist. Ziel war und ist es, dieses Treffen durch die Teilnahme von italienischen und deutschen Jugendlichen zu erleichtern, welche zwar nicht in einem gegenwärtigen Konflikt leben aber deren Länder einen Konflikt in der Vergangenheit erlebt haben, um eine Möglichkeit des friedlichen Zusammenlebens zu zeigen. Italien und Deutschland und ihre Bürger*innen haben durch einen langen Prozess der Aufarbeitung und der Erinnerung ihrer Geschichte auf individueller und kollektiver Ebene ein gewisses Maß an gegenseitiger Anerkennung und Formen der Versöhnung erreicht.

Die 40 Jugendliche treffen sich am Monte Sole als Individuen, als Menschen und nicht als Repräsentant*innen ihrer Herkunftsländer: das ist das charakteristische Element des Camps. Das Treffen auf persönlicher Ebene hilft, die ethnisch/nationale Ebene der Identität zu dekonstruieren, um sie in einem breiteren und komplexeren Rahmen zu rekontextualisieren, welcher es allen ermöglicht sich auf gleicher Ebene; der menschlichen, mit verschiedenen Wünschen, Bestrebungen, Emotionen, kennenzulernen. Dem Konflikt wird nicht nur in direkter sondern auch in transversaler Art und Weise durch die alltäglichen Erfahrungen der/des Einzelnen, ihren/seinen Erinnerungen und ihren/seinen Sichtweisen entgegentreten. Immer auf  einer persönlicher Ebene.

Die Aktivitäten, die durchgeführt werden alle ausschließlich in Workshop Formaten veranstaltet. Die Arbeit in Kleingruppen von maximal 4-5 Personen erlaubt es allen eine aktive Teilnahme an Diskussionen und kreativen Gedankenprozessen. Der Einsatz kreativer Zusammenarbeit ist ein unverzichtbares Instrument für eine echte Konfrontation und eine konkrete Vermittlung der verschiedenen Meinungen und Standpunkten innerhalb der Arbeitsgruppe. Die Forderung etwas praktisches oder kreatives zu produzieren (eine Performance, ein Lied, ein Plakat etc.) führt unvermeidlich zu einer kooperativen Anstrengung, die zu einer Kreation führen muss. Die in dieser Anstrengung auftretenden Schwierigkeiten sind sehr lehrreich für das konkrete Verständnis der Komplexität, aber auch für die Faszination der Zusammenarbeit. 

Ein weiterer Eckpfeiler der Gestaltungsidee an der Basis des Camps ist die Erinnerung und deren Aufarbeitung. Deshalb ist der Tag, welcher der Erkenntnis der Erinnerungen am Monte Sole und dem historischen Kontext, in den diese Erinnerung  integriert wird, gewidmet ist, zentral in jedem Camp. Es erlaubt uns über individuelle Erinnerungen, persönlicher Verantwortung, Gewaltmechanismen und über das Bedürfnis nach Erinnerung oder Vergessens nachzudenken. Durch workshopartige Reflexionen wird die Diskussion über die Erinnerung von Monte Sole zum Ausgangspunkt, um über gegenwärtige Konflikte, insbesondere ausgehend von schmerzhaften persönlichen Erinnerungen, die innerhalb der Gruppe geteilt werden können, aber auch allgemein über die Situation der Herkunftsländern zu sprechen.

Dieses Projekt wurde durch die Unterstützung des Programms der Europäischen Union ermöglicht.

Common Europe

Das Angebot der Camps, begonnen mit dem Projekt „Frieden in 4 Stimmen“, hat sich dann in den letzten fünf Jahren beachtlich ausgebaut, es verlagerte sich auch die Richtung der Arbeit auf europäische politische Bildung und öffnete sich damit auch für Teilnehmer aus vielen Ländern der europäischen Union und für Länder der Balkan-Region.

European Youth Weeks

Dieses Camp findet in Heppenheim im deutschen Bundesland Hessen statt, an dem Jugendliche aus verschiedenen Ländern der Europäischen Union und Nachbarländern teilnehmen, um über Menschenrechte und europäische Politik zu diskutieren. Jedes Jahr wird ein anderes aktuelles Thema im Hinblick auf die Herausforderungen, welche eine aktive und bewusste politische Bildung mit sich bringt, entwickelt. Um mehr über alle behandelten Themen zu erfahren, besuchen Sie die entsprechende Website.

Gefördert wird dieses Projekt vom Verein „Haus am Maiberg“ unter Beteiligung der Friedensschule seit 2002. Das Camp wird durch die Unterstützung der hessischen Regierung ermöglicht. 

CreARTing Common Europe

Erinnerung und Geschichte sind der Ausgangspunkt für Überlegungen über die Mechanismen von Gewalt und Krieg und über die individuelle Verantwortung; diese Reflexionen sind notwendig für den Aufbau einer Friedenskultur und des zivilen Zusammenlebens und der Solidarität, in dem sich jede/r aufgerufen fühlt, eine aktive Rolle einzunehmen. Die Camps mit europäischen Partner*innen beginnen mit der Besichtigung der Orte des Massakers von Monte Sole und einem Workshop um die oben genannten Themen zu vertiefen, und um dann mit der Analyse der nationalen Erfahrungen mit der demokratischen Entwicklung nach dem Konflikt fortzufahren. Ziel ist es, durch die Analyse des historischen Kontextes und der Debatte, die zur Gestaltung und Erstellung einer nationaler, demokratischer Verfassungen geführt hat und durch die Analyse der Grundprinzipien der Verfassungsverträge einen Raum für kritische Reflexionen über die konkrete Umsetzung und Aktualisierungen dieser Prinzipien, über Grenzen und Ressourcen unseres Zusammenlebens, zu schaffen. Die unterschiedlichen Erfahrungen beleuchten einander und zeigen durch die Auseinandersetzung mit dem Alltag die Widersprüchlichkeit und die Veränderungsmöglichkeiten auf. Man kann daher davon ausgehen, dass das Camp ein kreativer Workshop ist, das von den Teilnehmer*innen eine Anstrengung der intellektuellen Ausarbeitung und eine Phantasie beim Denken und Gestalten des von ihnen gewünschten „hier und jetzt“ erfordert. Die Methodik des Camps sieht Aktivitäten in gemischten Kleingruppen mit abschließender Reflexion vor, welche anschließend im Plenum zusammengetragen werden. Ein integraler Bestandteil des Bildungsprojekts besteht darin, das Zusammenleben und die Schaffung einer kleiner Gemeinschaft zu fördern und zu erleichtern.

#EU2BE – L’Europa che sarà

Die historischen Erkenntnisse der Prozesse, Ereignisse und Akteure von 1944 dient auch in diesem Fall als Anregung für eine tiefgründige Reflexion der Mechanismen, welche zu diesen Vorkommnissen geführt haben. 

Die Idee besteht darin, einen geeigneten Raum und eine angemessene Zeit  die für Vergleiche und Diskussionen geeignet sind, anzubieten, um nicht Konzepte und Definitionen im Zusammenhang mit der Idee der Europäischen Union als selbstverständlich anzunehmen, die oft als eine entfernte und bürokratische Einheit angesehen wird. Die Idee besteht daher auch darin jungen Menschen, mit unterschiedlichen kulturellen und politischen Hintergrund die Möglichkeit zu bieten, sich gegenseitiger Stereotypen und Vorurteile zu konfrontieren, die so oft reproduziert und gestärkt werden, um das Bewusstsein ihrer Willkür und die Möglichkeit von Veränderung entwickeln. In Artikel 2 der Europäischen Verfassung heißt es, dass die Union auf den Werten der Achtung der Menschenwürde, der Freiheit, der Demokratie, der Gleichheit, der Rechtsstaatlichkeit und der Achtung der Menschenrechte, einschließlich der Rechte von Menschen, die einer Minderheit angehören beruht. Diese Werte sind den Mitgliedsstaaten einer Gesellschaft gemein, die von Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität und der Gleichstellung zwischen Frauen und Männern gekennzeichnet ist. Was viele junge Menschen vereint, ist die Wahrnehmung der extremen Entfernung und Machtlosigkeit gegenüber Institutionen, die keineswegs als Ausdruck gemeinsamer Entscheidungen wahrgenommen zu werden, sondern wie kalte und der Bürokratie gewidmeten Machtapparate scheinen. Darüber hinaus ist diese Wahrnehmung nicht nur entgegengesetzt zur nationalen Zugehörigkeit sondern auch zum sozialen Hintergrund der Jugendlichen: es ist nicht konkret wahrzunehmen wie die europäische Dimension den Alltag beeinflusst. Hier also die Frage: kann das diskutiert werden? Was sind die Ursprünge, wie ist der Weg, wie das Wesen dieses Europas? Wie kann man präsent sein? Wie sollen wir, im wesentlichen, Protagonisten unserer Gegenwart und Zukunft sein? Diese Fragen sind von einem Gefühl der Verwirrung und Angst begleitet, das kontinuierlich von der Politik und den Massenmedien genährt wird, Gefühle die dazu führen, sich nicht der Außenwelt zu öffnen, sondern sich gegenüber dem „Anderen“ und dem „Verschiedenen“ zu verschließen. Fast eine Implosion des eigentlichen Konzepts Europas. Anstatt sich also unmittelbar mit den institutionellen Profilen der Europäischen Union zu befassen, wird ein Programm ausgearbeitet, welches das Konzept der Staatsbürgerschaft, der Teilnahme und der Offenheit gegenüber der/dem anderen vorbereitet.