Historischer Kontext

Ende August 1944, nach der Befreiung von Florenz, traf die Armee der Alliierten an der Gotenstellung auf die nationalsozialistischen Truppen. Im Gebiet des Monte Sole (Provinz Bologna), welches sich zwischen den Tälern der Flüsse Reno und Setta befindet (heute die Gemeinden von Marzabotto, Monzuno und Grizzana), bildete sich die direkte Nachhut der Nazi-Armee. Ende Oktober 1943 hatte die Partisanenbrigade „Stella Rossa“ (Roter Stern) in dieser Gegend zu operieren begonnen. Sie wurde von Einheimischen gegründet und bestand aus Mitgliedern mit verschiedenen politischen und kulturellen Hintergründen.

Zwischen Mitte und Ende September 1944 beschloss das Oberkommando der 16. gepanzerten Grenadierdivision der SS eine militärische Operation zur “Vernichtung der Partisanengruppen und Säuberung des Feindgebietes“. Die Operation wurde zwischen dem 29. September und dem 5. Oktober 1944 unter dem Kommando Walter Reders ausgeführt. Das gesamte Gebiet war von ca. 1.000 Soldaten umzingelt, unter ihnen auch Mitglieder der italienisch-republikanischen Nationalgarde. Aufgeteilt in vier Züge, durchstreiften sie das gesamte Areal von Norden, Süden, Osten und Westen. Sie brannten Häuser ab und töteten sowohl Menschen als auch Tiere. Die Folgen nach sieben Tagen des Massakers: 770 Opfer, darunter 216 Kinder, 142 Über-60-Jährige und 316 Frauen. Die Massaker trugen sich an 115 verschiedenen Orten zu: Dörfern, einzelnen Häusern, Kirchen.

Die Operation war kein Vergeltungsschlag, das Durchkämmen des Gebietes endete in einem Massaker. Dies war eine weit verbreitete und angewandte Strategie der Nationalsozialistischen Armee in Italien in den Jahren 1944/45. Diese Strategie, die darauf abzielt, die Zivilbevölkerung zu terrorisieren, um dadurch möglicherweise die Formierung von jeglicher Art von Widerstand zu zerstören und bereits bestehende Widerstandsgruppen zu zerstreuen, wird auch als „Terrorherrschaft“ bezeichnet.

Schema dell’operazione di rastrellamento disegnato da Walter Reder al suo processo a Bologna nel 1949

Der Plan der Operation unter der Führung von Walter Reder, aus seinem Prozess in Bologna 1949.

Der Ort lehrt uns

Unter welchen zeitlichen und örtlichen Vorraussetzungen geschah das Massaker?
Was waren die Ziele dieser Militäraktion und welche Faktoren ließen sie derart grausam ausarten?
Warum waren die Opfer hauptsächlich Frauen und Kinder?
Wer führte diese Morde aus?
Was für eine Ausbildung erfuhren sie im Vorfeld?
Welche Rolle spielte die Konstruktion des Feindes durch die Propaganda?
Wurden nur Befehle ausgeführt?
Gab es die Möglichkeit sich anders zu verhalten?
Existiert eine individuelle Verantwortung im Kontext eines Krieges?
Was bedeutet es „zu wählen“, beziehungsweise „die Wahl zu haben“?

Zeitzeugenberichte