Dies ist der Bericht von Gilberto Fabbri (damals 14 Jahre alt):

Dort fand ich zirka 50 bereits geflüchtete Personen vor – alles Frauen, Mädchen und Kinder. Wir verbrachten viele Stunden in angstvoller Erwartung; der Schrecken schnürte uns sogar das Wort ab, viele Frauen weinten und schluchzten auf den Boden geworfen mit den Kindern fest in den Armen.

Um 15 Uhr, in uns hatte sich bereits eine gewisse Hoffnung breit gemacht, dass sie uns nicht entdeckt hätten und so hörte man so manchen mit leiser Stimme ein schüchternes Wort murmeln, als drei Nazis ankamen – maskiert mit Tarntüchern und Stahlhelmen bedeckt mit Laub. Sie befahlen uns aus dem Versteck herauszukommen und pferchten uns alle in die Küche im Haus in Caprara, dessen Türen sie versperrten, wobei sie nur ein Fenster offen ließen, durch welches sie kurz danach vier Handgranaten und eine große rote Granate warfen. Die Explosion war enorm und übertönte die lauten Schreie aller, dann breitete sich ein dichter Rauch über die zerrissenen Leichname aus. Ein stechender Schmerz in den Beinen machte mir zu schaffen aber ich schaffte es dennoch, aus dem Fenster zu springen und mich in einem Busch zu verstecken – drei, vier Meter entfernt.

Ich sah die drei Nazis die Tür des Hauses öffnen und ein Maschinengewehr aufstellen. Ich wandte entsetzt meinen Kopf ab und auf der anderen Seite erschienen zwei Frauen, die mühselig über das Feld flüchteten. Ich hörte Schüsse und die zwei Frauen fielen in naher Entfernung voneinander zu Boden. Nach ungefähr einer Viertelstunde – noch immer verkrochen im Busch – wurden ganz in meiner Nähe viele Schüsse und Feuerstöße abgegeben, die sich mit den herzzerreißenden Schreien der noch lebenden Frauen und Kinder in der Küche vermischten. Danach war Stille. (Augenzeugenbericht aus dem Buch „Marzabotto parla“, Renato Giorgi)