Caprara: Dies ist die Geschichte von Angiolina Massa. Sie war damals 17 Jahre alt.

Ich war 6 Jahre alt als wir nach Caprara umzogen. Dort ging es einem gut, es gab viele Familien: es gab ein oberes Caprara und unteres Caprara. In Ober-Caprara gab es zwei Bauern, darunter wir, mit einem Tabakgeschäft und der Osteria und dann gab es noch drei andere Arbeiterfamilien. In Unter-Caprara gab es zwei Bauernfamilien und das Haus vom Marchese Beccadelli, in das er im Sommer und jedes Mal wenn er mit dem Sohn und den Bauern auf Jagd ging kam. Es waren zwei äußerst höfliche Menschen. Gemeinsam mit Zanini und der Kurie waren sie die Besitzer der gesamten Region Monte Sole.

Dann gab es die Familie des Wärters von Beccadelli der 6 Kinder hatte. Alles in allem gab es etwas Gemeinschaft, ein paar Leute. Es ging einem gut, es gefiel mir sehr, ich sage, dass ich die besten Jahre meines Lebens dort oben verbracht habe… Wir hatten einen Tabakladen, eine Osteria. Im Winter waren alle Bauern dort. Die ganze Umgebung war dort; ihnen gefiel es, Quadrille zu spielen, das heißt Massino (in der Region verbreitetes Kartenspiele). Was taten sie wenn es schneite? Wenn kein Schnee lag, gingen sie in den Wald, um Holz zu hacken, aber wenn Schnee lag, waren sie immer dort drinnen bei uns. Es gibt diese Leiter – man sieht davon noch ein Stückchen – es war eine Leiter, die hinauf zu den Kammern führte: Mein Geburtstag ist im Jänner, wenn ihr wüsstet, wie oft ich diese Leiter hinaufklettern musste, weil alle mir meine Ohren lang zogen… es gab so manchen Endspurt jene Leiter hinauf, denn damals zogen sie stark, ja wirklich. Es ging einem gut, es war, als wären wir alle eine Familie…

Wir verkauften Zucker, nur ein wenig Pasta, weil man sie zuhause machte, ein bisschen Makkaroni…Öl, Salz, Petroleum und später auch Karbid, als die Anlagen dafür herauskamen (zum Beleuchten). Dann machten die Bauern bei meinem Vater Bestellungen: Bring mir die Heugabel, die Schaufel oder die Hacken und die Frauen: Bring mir die Nadel, den Faden oder die Baumwolle. Manchmal behielt er auch Einiges dort im Geschäft, aber wenn die Finanz kam – das war ein Weh – er musste ihnen die Salami geben, woraufhin ich sagte: „Aber Papi! Ich würde die Salami auch gerne haben!!“ Das Finanzamt kam immer, um Kontrollen durchzuführen. Oben auf dem Hügel des Monte Sole habe ich noch immer die Bilanz mit all den Stempeln darauf, es wurde kontrolliert, denn man musste richtig abwiegen…

(Augenzeugenbericht genommen von der Videodokumentation Was wir durchgemacht haben, Friedensschule des Monte Sole, 2007)