If only it were that simple.
If only there were evil people, somewhere insidiously committing evil deeds and it were necessary only to separate them from the rest of us and destroy them.
But the line dividing good and evil cuts through the heart of every human being. It is after all only because of the way things worked out that they were the executioners and we weren't.
A. Solzenicyn, The Gulag Archipelago

To recognize the possibility of evil in every one of us shows us the importance of engaging ourselves to make sure that the evil of the past can't repeat itself in the future


Bendana - Villa Vicencio, The difficult reconciliation

Projekt

Die Stiftung Friedensschule Monte Sole existiert seit dem Jahr 2002 und hat ihren Sitz im Parco Storico di Monte Sole (Historischer Park am Monte Sole). Der Grundstein für die Gründung der Friedenschule wurde bereits im Jahr 1989 durch ein Gesetz der Region Emilia-Romagna gelegt.

Seit ihrer Gründung fördert die Friedensschule diverse Initiativen für Friedensarbeit, gewaltlose Konfliktbewältigung unter Beachtung der Menschenrechte und gewaltfreies Zusammenleben der Menschen und Kulturen. Sie setzt sich für eine Gesellschaft ohne Xenophobie, Rassismus und jegliche andere Form von physischer oder psychischer Gewaltausübung gegen den Menschen und seine Umwelt ein.

Die Gedenkstätte heute

Das Gebiet des Monte Sole umfasst ein Hügeldreieck zwischen den Tälern der beiden Apenninflüsse Setta und Reno, das sich etwa 20 Kilometer südlich von Bologna befindet. Heute sind beinahe 60% des Territoriums bewaldet. Den Rest machen Weiden und Wiesen aus, die zum Teil landwirtschaftlich genutzt werden.

Die wenigen noch sichtbaren Ruinen in der Umgebung der Schule lassen nur noch erahnen wie dieser Ort einmal ausgesehen hat. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war das dortige Wohngebiet ein weitläufiger Zusammenhang von Siedlungen und Höfen. Die Stille und Ruhe dieses Ortes scheinen unberührt, jedoch sind sie das Ergebnis furchtbarer Gewalt. Die wenigen verbliebenen Ruinen sind wertvolle Zeugen großen Unrechts.

Was uns Monte Sole heute lehren kann

Was ist heute die pädagogische Aufgabe von Gedenkstätten, wie jener am Monte Sole? Wie erzählt man die Geschichte dieser Orte, ohne dass der Schmerz und das Leid zu sehr hervorgehoben werden, in unserer heutigen, auf Sensationen ausgerichteten Gesellschaft? Wie kann vermieden werden, dass diese Orte zu einem Ziel des “Gedenk-Massentourismus” werden? Wie bewahrt man die Erinnerung davor, zur „Pflicht des Erinnerns“ zu werden?

Heute wollen wir nach den Gründen fragen, die dieses Terrorsystem ermöglicht haben – am Monte Sole und andernorts, und in welchen Formen wir diese an anderen Orten der Welt und anderen Momenten in der Geschichte wiederfinden können. Ausgehend von einer kritisch-reflektierenden Auseinandersetzung mit der Historiographie und den Mechanismen der Gewalt ergeben sich, im Zusammenspiel mit den Erinnerungen der Überlebenden und dem Ort selbst als stummen Zeugen, die Aktivitäten der Friedensschule:

  • Pädagogische Workshops und individualisierte Programme, die sich an Schüler und Lehrer der regionalen und nationalen Schulen richten. Interaktive Workshops, auch ortsgebunden, die sich um die Frage drehen „Was kann uns Monte Sole heute lehren?“. Weg von der Phrase „Nie mehr wieder“ zu dem Punkt, sich ständig zu fragen: „Warum noch immer?“, „Wie war es und wie ist es möglich?“ und „Existieren heute im Alltag die gleichen Mechanismen?“. Die Workshops, die wir vorschlagen sind keine fixfertigen „Pakete“, sondern sind auf die Teilnehmer abgestimmt, ihre Ziele und ihre Bedürfnisse.
  • Internationale Camps (in Italien oder im Ausland). Pädagogische Erfahrungen, die eine Auseinandersetzung und einen Dialog zwischen verschiedenen und weit entfernten Jugendlichen ermöglichen und fördern. Mit Jugendlichen, die sich in Konfliktregionen oder Post-Konfliktregionen befinden und/oder vor der Aufgabe stehen, ihren zukünftigen Lebensraum aufzubauen.
  • Forschungs- und Recherchearbeit. Die Friedensschule engagiert sich seit jeher in Forschungsprojekten im Bereich „orale Geschichte“ und widmet sich der Aufarbeitung der Erinnerungen. Ein Produkt dieser Recherchearbeit ist die Dokumentation „Quello che abbiam passato. Memorie di Monte Sole“ (Was wir durchgemacht haben. Erinnerungen an Monte Sole).
  • Unterbringung. Die Friedensschule verwaltet außerdem einen „demokratischen Raum“, den ihr anvertrauten Gebäudekomplex, der als Treffpunkt für Institutionen, Verbände und interessierte Individuen dient und damit den Frieden fördern soll. Unterbringung in der Schule ist für mehrere Tage und für alle Gruppen der Zivilgesellschaft möglich, die einen Teil ihres Weges und ihrer Gedankenwelt mit uns teilen wollen.

Wenn du nicht willst, dass sich die Geschichte wiederholt, genügt es nicht, sie einfach aufzusagen.

Es ist die Zeit der Zeitzeugen in den Schulen: Von den Zeitzeugen wird nicht nur verlangt ihre Geschichte zu erzählen, sondern auch moralische Werte zu vermitteln. Das Erzählen der Geschichte ist nicht genug, um sicherzustellen, dass sich eine solche Tragödie nicht wiederholt. Die Lehrer können jedoch die Verantwortung eines Historikers oder eines Ausbilders nicht einfach einem Zeitzeugen aufbürden. Die „Manie des Verurteilens“ ist der „Erzfeind“ der Geschichte und auch der der Bildung. Aus Angst tendieren die Menschen dazu, den Täter zu entmenschlichen, und dadurch das Böse in ihnen selbst zu übersehen. Es hat daher keinen Sinn, an Gedenkstätten pädagogische Arbeit zu leisten, falls man die „Manie des Verurteilens“ nicht überwinden kann. Diese Ausbildung kann nicht nur auf Zeitzeugen aufgebaut werden, man braucht einen Ausbilder, der es versteht, in der „Grauzone“ zu arbeiten. Einen Ausbilder, der es versteht, die Mechanismen der Gewalt zu hinterfragen und zu erforschen, jene multikausalen Faktoren, die jene Gewalt möglich gemacht haben.

Wenn du nicht willst, dass sich die Geschichte wiederholt, genügt es nicht, sie einfach aufzusagen. Nur wenn wir den Täter in uns aufrufen, können wir die Pflicht des Erinnerns mit ihren Verharmlosungen und Sakralisierungen, die Gedenkfeiern anhaftet, in Gedenkarbeit umwandeln, die die Gegenwart hinterfragt. Diese Arbeit enthüllt die Mechanismen, die den Zusammenhang zwischen Kriegsverbrechen und Friedensverbrechen aufzeigen. Dieselben Mechanismen erlauben auch heute jenen Ausnahmezustand, der den anderen zum “homo sacer” (Rechtsbegriff im römischen Strafrecht; zu Deutsch: heiliger Mann; bedeutet getrennt, geteilt; unwürdiger Mann; ein Mann mit diesem Rechtsstatus war früher vogelfrei) herabwürdigt, zu einem entblößten Leben in dem die Biopolitik entscheidet, wann ein Leben nicht mehr wert ist, zu leben und man sterben lassen kann oder wenn ein Leben im Stich gelassen werden kann, sei es zu „Selbstmord“ in einer Gefängniszelle, oder zu Tod durch Durst und Ertrinken im Kanal von Sizilien.

Die Herangehensweise am Monte Sole. Theoretische Notizen einer praktischen pädagogischen Arbeit.

“Stattdessen waren sie von unserer Art, sie waren durchschnittliche Menschen, durchschnittlich intelligent, durchschnittlich böse, abgesehen von einigen Ausnahmen waren sie keine Monster, aber sie erhielten schlechte Bildung.”

Primo Levi, I sommersi e i salvati, 1986

29. September – 5. Oktober 1944: Die 16. Division der SS Kompanie verübte auf den bolognesischen Hügeln was als “Massaker von Marzabotto” bezeichnet wird, jedoch genauer genommen als „Massaker von Monte Sole“ bezeichnet werden sollte. Die neuen Arbeiten von Pezzino und Baldissara paraphrasierend, weiß man über das Massaker von Marzabotto ziemlich viel, über das Massaker von Monte Sole jedoch relativ wenig.

Nach mehr als 60 Jahren seit dem Ende des 2. Weltkrieges stellen sich die Fragen: Was genau ist die Rolle von Gedenkstätten wie jener am Monte Sole? Wie kann man durch Bildung, ausgehend von dem größten Massaker des besetzten westlichen Europas, zu einem Verständnis unserer komplexen Welt führen? Wie ist es möglich Krieg und Gewalt zu thematisieren, ohne diese rational darzustellen? Wie vermag man die Wirkung des extremen Leidens mit einer wissenschaftlichen Haltung zu vereinbaren?

Wie erzählt man die Geschichte des Monte Sole ohne einen zufriedenen oder gleichgültigen Blick auf den Schmerz der anderen zu werfen, ohne dass die Erzählungen des Massakers zu Sensationalismus führen, zur hundertsten Aufführung in unserer auf Sensation ausgerichteten Gesellschaft, zu einer verkommenen Zurschaustellung der Emotionen? Wie kann vermieden werden, dass Monte Sole zu einem Ziel des fragwürdigen Gedenk-Massentourismus wird, zu einer unwirksamen, wenn nicht schädlichen „Tour des Horrors”? Wie behütet man die Erinnerung vor der „Pflicht zu Gedenken“?

Lesen Sie auch “Was von Monte Sole übrig geblieben ist”. Dies ist nur auf Englisch verfügbar.

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